19.12.2019

Briefe



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ID: 7132 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 16.12.1841
 

Verehrtester Herr und Freund,
Letzthin las ich einmal in Ihrer Zeitschrift für Musik eine Notiz über mich, die mich sehr wunderlich berührte: Sie selbst wunderten sich darin, im Pariser Courier musicale einer nächstens in Dresden stattfinden sollenden Aufführung einer Oper von mir erwähnt zu sehen. Mich berührte dieß seltsam, weil ich bei dieser Gelegenheit von Neuem ersah, wie in der Welt, zumal in Bezug auf Bekanntmachung in Journalen, nichts von selbst geschieht, sondern daß Jeder, der sich selbst einiger Maaßen am Herzen liegt, ebenfalls auch selbst für sich sorgen muß. Ich hätte wirklich gedacht, daß die vorzubereitende Aufführung der Oper eines Sachsen auf dem Hoftheater zu Dresden einen gewissen Grad von Teilnahme erregen sollte, wenigstens daß hie u. da einmal ein Wort darüber fallen gelassen werden würde: – ich sehe nun aber, daß ich wirklich selbst von hier aus daran gehen muß, Sie, mein vortrefflichster Gönner mit einem Vorhaben bekannt zu machen, an dessen Gelingen mir viel gelegen ist, u. für das ich mir Ihre gütige Theilnahme erbitte. Allerdings wird noch im Laufe dieses Winter’s eine große 5actige Oper, Rienzi, von mir verfaßt, in Dresden zur Aufführung kommen. Ich habe Dresden zur ersten Aufführung gewählt – u. nicht Berlin, wofür ich gleiche Chancen zur Annahme hatte, weil in Dresden, was das Intensive der Aufführung betrifft, ich auf ein weit größeres Gelingen derselben rechnen kann, als es in Berlin der Fall sein würde, wo zwar ohne Zweifel die äußere Ausstattung meiner Oper glänzender ausfallen müßte, wo ich aber nicht zwei so vortreffliche Sänger für die Hauptparthien finden könnte, als es in Dresden die Schroeder-Devrient u. Tichatschek sind. Ich habe die Freude gehabt, von allen Autoritäten des Dresdener Hoftheater’s die freundlichsten u. theilnehmensten Versicherungen zu erhalten, u. wie es scheint betrachtet die dortige General-Direktion meinen Rienzi für eine gute Prise, denn man hat zu ihrer Ausstattung einen bedeutenden Kostenanschlag bewilligt. Wie man mir versichert wird die Aufführung gegen Ende Februar stattfinden, u. ich lade Sie hiermit im Voraus recht herzlich ein, mir bei dieser Gelegenheit das Opfer der kleinen Reise von Leipzig nach Dresden zu bringen. –
Zugleich schicke ich Ihnen eine Kleinigkeit für Ihre Zeitschrift: ich hätte für Deutschland nicht den mindesten Grund, meinen Namen zur Unterschrift zu verschweigen, wohl aber bestimmen mich dazu Rücksichten auf Paris. Wenn es Ihnen recht ist, sende ich Ihnen bald wieder etwas;
Sie thäten mir dann wohl aber auch den Gefallen, mir ein Exemplar Ihrer Zeitschrift wöchentlich durch Avenarius zukommen zu lassen: falls es Ihnen lieber wäre, würde ich selbst das Porto bezahlen.
Der talentvolle Maler Kietz, jetzt Ihr Verwandter, ein guter, braver Junge, läßt Sie u. Ihre liebe Frau Gemahlin durch mich herzlichst grüßen, u. ich für mein Theil bitte, meiner mit Freundschaft u. Theilnahme eingedenk sein zu wollen.
Mit inniger Hochachtung
Ihr
ergebenster
Richard Wagner

Paris, 16. Dec. 1841
14, Rue Jacob.

  Absender: Wagner, Richard (12918)
  Absendeort: Paris
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
57ff.
 



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