19.12.2019

Briefe



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ID: 13210 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 17.08.1895
 

Interlaken, den 17. August 1895.

Lieber Johannes,

wie soll ich Dir genug danken für die Sorgfalt, mit der Du meine Sendung durchgesehen! Welche Mühe hast Du gehabt mit so dilettantischem Manuskript, als das meine war! Welche Bogen fehlten da, wieviel falsche Striche, wieviel fehlende Zeichen aller Art! Könnte ich Dir doch gleich einen recht großen Gefallen tun! -

Mit allen Änderungen kann ich ja natürlich nur einverstanden sein und habe natürlich alle gelassen, wie Du sie notiert hast. - Mit dem Titel bin ich nun noch nicht ganz im reinen, kann doch denselben nicht dem Verleger überlassen! Soll ich sagen: "Aus den Studien (Skizzen) für Pedalflügel, Op. 56, 58 von Robert Sch., arrangiert (gesetzt?) von Cl. Sch.?" Die Nummern zu nennen, macht sich schlecht auf dem Titel. Bitte, hilf mir auch darin, Du hast ja das alles so in der Übung! Sende mir nur auf einer Postkarte den Titel, keinen Brief, deren Du immer so viele zu schreiben hast. -

Die traurige Geschichte des jungen Benecke bleibt von Dunkel umhüllt. Er wurde zuletzt gesehen beim Aufstieg eines weniger bekannten Weges zur Jungfrau, war Mitglied des Alpen-Klubs, wollte vielleicht einen neuen Weg finden? Es wird in einem Blatte, in welchem von seiten der Eltern 500 Franks Belohnung ausgesetzt waren für Auffindung des Leichnams, gesagt, daß man vermute, die beiden jungen Leute haben viel Geld bei sich gehabt, was dann dem Finder auch noch gehören solle. Dies läßt aber wieder weiter denken - könnten die beiden nicht beraubt worden sein? Führer hatte sie nicht bei sich. Es ist schrecklich! Weiteres erfährt man natürlich nicht! -

Wir hatten fast 3 Wochen schlechtes Wetter, jetzt dürfen wir aber wieder etwas hoffen! Morgen erwarte ich Widmann und Frau, worauf ich mich herzlich freue. Ja, wärest Du in Thun, wie ehedem, wie wäre das so nett, kämest Du zuweilen an schönen Tagen! -

Nun nimm nochmals wärmsten Dank, liebster Johannes, und lasse mich noch durch eine Karte den Titel wissen, bitte, bitte! -

An Ilona meine Grüße. Dank für ihren Brief. Sie schreibt mir so glücklich über Deine Güte und Liebenswürdigkeit gegen sie.

Hier grüßt alles mit mir,

Deiner alten getreuen

Clara.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Interlaken
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:
 



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