Oldenburg am 21 Febr. 1842
Geehrtester Herr und Freund!
Als ich gestern begann Ihnen zu schreiben, da trat ein mir sehr naher und lieber Verwandter in’s Zimmer, der nur einige Stunden bei uns verweilen konnte, da er bereits schon wieder Postpferde bestellt hatte. Dieses frohe Wiedersehen war die Ursache, daß mein gestriger Br. so flüchtig ausfiel. Heute muß ich Ihnen daher schon wieder schreiben und zwar zunächst Sie um das Programm zu Ihrem Concerte nochmals zu bitten, und um Concert-Billette (Extra-Billette). Die Subscription fällt für Oldenburg sehr günstig aus; indes ist sie noch nicht völlig erreicht. Mit dem Hof haben wir schon über 100 Billette, was hier eine große Seltenheit ist, und ich müßte mich sehr täuschen wenn nicht eben so viele noch an der Casse hinzukommen. Sollen wir den Cassenpreis erhöhen? Der Subscriptions-Pr. ist 1 Th. Ich meine man könnte an der Casse 1 Th. 12 oder 18 Grote setzen.
|2| In meinem gestrigen konnte ich mich über die Frage ob Sie in Ihrem Concerte Ihre Symphonie aufführen wollen, oder ob ich sie in einem meiner Abon. Concerte geben soll, nicht deutlich aussprechen, weil mir die Ruhe dazu fehlte. Sollten Sie Ihre Symphonie in Ihrem Concerte nicht aufführen wollen, so bedürfen Sie kein Orchester, sondern können Ihr Concert mit doppelter Quartett-Begleitung geben, und dann hoffe ich Ihnen freies Accompagnement zu verschaffen, wenigstens würden Ihre Kosten dafür höchstens nur 2 Rtl sein, da die Cammermusiker mir zu Gefallen schon mitspielen, das volle Orchester jedoch <läßt> geht von seinem Vorsatz nicht ab, und ich bin nicht im Stande mit Erfolg sie darum zu ersuchen. Die übrigen Kosten sind dann höchst gering. Nämlich 2 Rtl Zetteldruck, einige Rtl für die sämmtlichen Thürsteher, für die Besorgung der Instrumentalisten auch 2 Rtl, und für die Subscriptionsträger, das ist wohl ohngefehr Alles. Es hängt daher von Ihnen ab, da man es von fremden Künstlern nicht fordert daß sie das Orchester nehmen; und außerdem übt es hier auf die Casse, vorzüglich bei so berühmter Namen gar keinen Einfluß aus, da man das Orchester allwöchentlich hört.
Für das Spiel bei Hofe habe ich, was hier etwas Unerhörtes ist, dß solches außer einem Mittwoch statt fände, Hoffnung geschöpft, und vielleicht höre ich noch heute Etwas darüber, da da meine Frau4 so eben |3| zu Frau Großherzogin gefahren ist. Auch ein Graf H. Baron v Beaulieu interessirt sich auf’s lebendigste dafür und freut sich sehr auf Ihr Kommen. Da Sie nun Mittwoch am 23. Febr in Bremen Concert haben, so dürften wir Sie wohl am 24. Donnerstags zu Mittag bei uns erwarten, und ich bitte Sie mir genau zu schreiben, wann Sie hier eintreffen wollen, damit sich meine Frau mit dem Tische dazu einrichtet. Sie können also wenn Sie wollen statt in den Gasthof gleich bei mir vorfahren, bei mir speisen um dann mit Gemächlichkeit sich mit meiner Frau ihrem Fortepiano bekannt machen. Ist es Ihnen nicht unangenehm, so lade ich für den Abend einige vertraute Musikfreunde, wo nicht, so können Sie ungestört studiren, kurz wo Sie wollen. Freitag Morgen müsste dann wohl die Concert-Probe sein. Da Sie wegen Ihrer Verbindlichkeiten in Hamburg wahrscheinlich nicht lange bei uns weilen können, so <weiß ich> will ich suchen, ob es möglich ist, dass Sie etwa Sonnabend früh, d. h. vor Tisch bei Ihrer Kgl. Hoheit spielen können, und Sonnabend Abend möchte ich Sie dann um einen music. Abend bei meinem Chef dem H. Obristen v. Beaulieu Marconay bitten; und muss ich Ihnen bemerken, daß dort zwar ein sehr schönes Fortepiano ist jedoch ein tafelförmiges, aber mit englischem Mechanismus von Meyer-Hamburg. Uebrigens wird es Ihnen dort gefallen, da die Familie zu den liebenswürdigsten Menschen gehört die ich kenne. Nun bitte ich nochmals um schleunige Antwort, und namentlich um das Programm und um Extra-Billette, desgleichen um Bestimmung ob Orchester? oder Doppel-Quartett? Könnten Sie schon Donnerstag früh zur Capell-Probe hier sein so hätte ich Ihnen die Kapellprobe als Probe zu Ihrem Concert gegeben und Sie würden dann dem Orchester 1/3 weniger zu zahlen haben, aber leider ist das unmöglich. Sie zahlen nichts desselben und ich zahle bei jedem Concerte.
Nun grüßen Sie Ihre liebe Frau herzlichst von uns und kommen Sie gesund zu uns.
Hochachtungsvoll u freundschaftlichst
August Pott
|4|An
Herr Dr. Robert Schumann
aus Leipzig
in
Bremen
Abzugeb große Hundestraße bei Hh
Ed. Möller Nro 30.
Dringend!