Baden-Baden, d. 8 Septbr. 1881.
Liebe Frau Riggenbach
recht erfreut war ich ’mal von Ihnen zu hören, und vor allem, daß Sie wohl und gesund sind. Leider nur haben auch Sie wieder Schweres in Ihrer Familie verlebt – ach, das Leben legt uns so gar viel |2| des Schweren auf, und, wir werden so einsam, einsamer je älter wir werden!
Ihre Empfohlene soll mich nur besuchen, kann ich ihr in irgend Etwas nützen, so thue<> ich es gern, jedoch muß ich Ihnen bekennen, daß die Verhältnisse an der Schule mich zwingen, vorsichtig im Verkehr mit Schülerinnen anderer |3| Lehrer zu sei. Ich kann Ihnen die Gründe schrifftlich nicht gut mittheilen, aber wenn Sie ’mal Herrn Volkland dar-über sprechen, so wird er Ihnen dies erklären können.
Wir haben einen zum Theil angenehmen Sommer verlebt, zuletzt noch mit meiner Tochter und deren Familie aus Amerika, nun aber sind sie fort, wieder zurück, |4| und das war ein recht schwerer Abschied, obgleich sie bald ganz zurückzukehren hoffen. Elise ist aber so glücklich in Mann und Kindern, daß es eine wahre Herzenserquickung für uns war mit anzusehen.
Ob ich Sie im Winter sehe, das weiß ich nicht. Ich habe so viele Versprechungen gegeben, und weiß doch noch gar nicht, wie es mit meinen Kräfften beschaffen sein wird.
Leben Sie wohl, grüßen Sie Ihren lieben Mann und bleiben Sie gut Ihrer herzlich ergeb
Clara Schumann.
Meine Töchter8 grüßen sehr.
[Umschlag]
Frau
M. Riggenbach-Stehlin.
in
Basel.
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