19.12.2019

Briefe



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ID: 20599 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 13.02.1847
 

Hochgeehrter Herr Professor,

So gewiß ich den guten Willen und das
Talent des Hrn. Neumann anerkenne,
so hab' ich doch nach der heutigen Probe
so viel gesehen, daß ihm die schwierige
Parthie bis Mittwoch zu lernen rein
unmöglich ist. Es thut mir dies Geständniß
auch um Sie, verehrter Herr, der Sie sich
so freundlich um mich und um mein
Werk bemüht, leid - aber dies ist
doch jeder Componist seiner Arbeit schuldig,
sie nicht durchfallen laßen zu helfen -
und das letztere würde bei so eiliger
und unsicherer Besetzung ohne Zweifel
der Fall sein. Dazu kömmt noch, daß
Frl. Tuczeck heute Abend mit meiner Frau
zu probieren angehalten war, und so
sehe ich keine Aussicht, wie das alles
bis Mittwoch noch geändert werden
könnte.
Mein Vorschlag wäre dann, die Aufführung
zu verhindern, vielleicht auf Mittwoch
über acht Tage - bis dahin würde
Hr. Kraus gesund, Chor u. Orchester
sicher pp pp - einen andern Ausweg
seh' ich nicht.
Glauben Sie, daß heute noch eine
Probe ersprießlich ist, so laßen
Sie mir es gefälligst wissen; ich
komme dann.
Verzeihen Sie die Unruhe, die ich
Ihnen mache; es geschieht mit Widerstreben,
aber ich kann nicht anders.
Ihr
Hochachtungsvoll ergebener
R. Schumann.

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Rungenhagen, Carl Friedrich (1309)
  Empfangsort: Berlin
 



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