19.12.2019

Briefe



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ID: 19659 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 05.01.1886
 

Leipzig, d. 5. Jan. 1886.

Hochverehrte Frau!

Soeben habe ich „die Jugendbriefe von Robert Schumann“ aus der Hand gelegt, und es drängt mich, Ihnen ein Wort des Dankes zu sagen. Zwar scheint es mir kühn, fast aufdringlich zu sein, wenn ich, der junge, Ihnen fast unbekannte Mann, der in der musikalischen Welt auch nicht das Mindeste bedeutet, der nur mit seinen schwachen Kräften in das Verständniß der Werke unsrer großen Meister einzudringen sich bemüht und höchstens das für sich anführen kann, daß er mit zu der großen Schaar derjenigen gehört, denen „Schumanns Werke[“] lieb geworden sind, – wenn ich vor Sie hintrete. Aber ich wage es doch, Ihnen, der Freundin meines lieben verstorbenen Vaters, zu nahen und Ihnen zu sagen: Haben Sie innigen, wärmsten Dank für die Veröffentlichung dieser Briefe. Welch’ eine Tiefe des Gemüths offenbart sich darin, welch’ eine Fülle köstlicher Züge, namentlich in den Briefen an seine theure Mutter und in den an Sie selbst gerichteten. Wie uneigennützig ist es von Ihnen, auf den ausschließlichen Besitz derselben zu verzichten. In welch’ rührender Weise spricht er da von sich selbst, von seinem Charakter und seinen Eigenthümlichkeiten. Ja, man muß ihn wirklich als Menschen aus diesen Briefen lieb gewinnen.
Haben Sie also nochmals herzlichen Dank und verzeihen Sie meine Freiheit!
In größter Hochachtung
Dr. Hans Voigt.

  Absender: Voigt, Hans (1629)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
199
 



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