19.12.2019

Briefe



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ID: 18463 Brieftext


Geschrieben am: Montag 01.01.1894
 

Leipzig, Neujahr 94.

Hochverehrte Frau!
Darf ich noch mit einem verspäteten Neujahrs-Gruß und Glückwunsch kommen? Ich war mit dreien meiner Kinder (die noch heimliche Braut meines ältesten Sohnes mit gerechnet) im Concert und wir kehrten tief ergriffen von der D-moll-Symphonie zurück. Vorher hatten die Kinder sie 4händig gespielt, dann hatten wir wieder einmal das Album mit dem großen < durchblättert. Da ging mirs durch die Seele: du hast das Glück, dem edlen Künstlerpaar durch ererbte Freundschaft näher gerückt zu sein als vielleicht mancher, der heute der Überlebenden seine Glückwünsche dargebracht hat – warum hältst du, der du ihr so herrliche, unvergeßliche Stunden dankst, damit zurück? Gilt nicht auch hier Altmeister Goethes Wort:
Was Du ererbt von Deinen Vätern hast,
Erwirb es, um es zu besitzen?
So nehmen Sie denn die Glückwünsche für Sie und die Ihrigen, die aus tiefstem Herzen kommen, auch jetzt noch freundlich auf.
In inniger Verehrung
Ihr
Julius Gensel.

  Absender: Gensel, Julius (526)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.15, S. 206f.
 



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