19.12.2019

Briefe



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ID: 18087 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 20.08.1856
 

Hannover 20sten August 1856.
Meine liebe theure Frau Schumann,
Wie sehr wir Alle Ihrer gedacht, brauche ich Ihnen nicht zu sagen, kaum wagte ich es Ihnen zu schreiben, nun trugen mir aber meine Herrschaften auf, Ihnen, Allerhöchst Ihre innigste Theilnahme an Ihrem schweren Verlust auszusprechen und da bin ich froh Ihnen hinzufügen zu dürfen wie ganz mein Herz mit Ihnen empfunden hat und wie gern ich heute ein Wort sagen möchte dem sie anfühlen wie es aus dem Herzen kommt, aus einem Herzen daß [sic] sich bis auf’s Tiefste in Ihren Schmerz hineinversetzt, weil es so oft versucht hat sich auch in ein solch köstliches Ineinanderleben hereinzudenken, und [weil] ich durch Sie weiß was Sie beseßen und daher auch weiß was Sie verloren haben.
Aber nicht wahr wir wollen dem gnädigen Gott danken der, Ihrem lieben Mann ein weiteres Leiden ersparen wollte und Ihnen den längeren Schmerz es mitansehen zu müßen, abgenommen hat, weil es viel zu schwer geworden; Er der liebe Herr wird auch nicht ablaßen Sie zu trösten und Ihr armes Herz aufzurichten darum wollen wir Ihn Alle bitten. „Gelobet sei der Herr täglich, Gott leget uns eine Last auf aber Er hilft uns auch, Sela. Ps 68,20. Wir haben einen Gott der da hilft und einen Herrn Herrn, der vom Tod errettet![“] –
Ich hoffe unser guter Joachim ist bei Ihnen und kann Ihnen beistehen, ich dachte es mir er sei gewiß in Düsseldorf denn als ich vor 8 Tagen [in Heidelberg] war um einen Arzt zu consultiren erkundigte ich mich nach ihm und da hieß es er sei abgereist. Er kann Ihnen ein rechter Trost sein, als so treuer Freund und Verehrer Ihres lieben seligen Mannes.
Wie mag es mit Ihrer Gesundheit, mit Ihren lieben Kinderchen und mit so manchem Anderen stehen, ich darf Sie nicht bitten mir zu schreiben hoffe aber bestimmt daß der gute Joachim in den Tagen genau von dem Allen [mir] schreiben möge, ich würde es ihm recht von Herzen danken. Ich kann Ihnen sagen daß Beide Majestäten Ihnen recht mit dem Herzen durch die ganze Zeit gefolgt sind und fast täglich Ihre Theilnahme für Sie aussprechen. Gott sei mit Ihnen, ich möchte Ihnen so recht von Herzen die Hand drücken und Ihnen aussprechen wie ich Ihnen in Liebe und Theilnahme nahe bin
Ihre mitfühlende
Anna Bernstorff.

Bitte grüßen Sie Herrn Joachim von mir.

  Absender: Bernstorff, Anna von (198)
  Absendeort: Hannover
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 12
Briefwechsel Clara Schumanns mit Landgräfin Anna von Hessen, Marie von Oriola und anderen Angehörigen deutscher Adelshäuser / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-023-0
407ff.
 



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