19.12.2019

Briefe



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ID: 17928 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 11.09.1869
 

Düsseldorf den 11t Sept. 69.
Wenn es sein kann, meine innig geliebte Clara, daß ich noch wärmer als sonst für Sie das Beste von Gott erflehe, so wird es sicher am Montag sein – weil ich ja mit Ihnen fühle, wie Ihr Herz mit so Vielem bestürmt ist u wie die bevorstehende Trennung von Julie u deren Hochzeit Sie so ganz besonders bewegen muß! –
Aber, nur Muth Sie Liebe Gute, nur frisch vorwärts im Vertrauen, daß grade Ihnen ja die schönste Kraft in Leid wie in der Freud nie gefehlt u daß die schöne Gabe, Ihre Kunst, Sie endlich immer in höhere u wohlthuende Sphären führt. – Auch, daß Julien’s Hochzeit sich nun noch hinausgeschoben, wird sicher manches Gute haben, selbst, wenn es Ihnen Anfangs nicht lieb war; nochmals Ihnen u Ihrem Kinde u den Geschwistern auch dazu alle herzlichsten Wünsche! – Der Tod Ihrer Schwester Clementine hat mich sehr erschreckt u ich begreife, wie hart dieser Schlag für die arme Mutter sein muß. – Ob Sie für Eugenie eine Familie in Berlin gefunden? ob Ludwig gut aufgehoben ist in Constantz? – Alles das Nähere darüber freue ich mich durch Frl. Leser zu hören! – Und ganz ungeheuer freue ich mich auf’s Wiedersehen mit Ihnen, das ja nicht mehr lange hin sein wird, wenn Sie am 12t Ockt. spielen u ich, wenn nicht Besonderes mich hindert, dann auch nach Cöln komme. – Tausend Dank noch für Ihre letzten lieben Worte, die mich grade bei unsrer Abreise erfreuten – aber doch auch beunruhigten, weil Sie damals sich auf der Treppe am Fuß verletzt hatten; hoffentlich spüren Sie nichts mehr davon. – Ich bin seit Montag wieder hier u habe das Haus geordnet; mein Mann malt sich noch einige Studien [in Paris], die er zu seinem großen Bilde nöthig braucht u kommt hoffentlich bis Dienstag heim. Wir haben herrliche Kunstschätze in Paris zusammen genoßen, u mit großem Dank blicke ich auf die eben verlebte schöne Zeit – denn auch unser Aufenthalt in Münster a/St. mit Hübner’s u den 2 jüngsten Söhnen war gar behaglich. – Bis z. 17t erwarten wir Joachim, der meinem Mann noch einige Tage sitzen muß; am 20t will er dann nach Berlin zurück. – Das Gefallen, was Sie an einer grauen Tischdecke bei mir fanden, liebste Clara, machte mir Muth Ihnen eine ähnliche zu naehen u so bitte ich denn diese nachsichtigst anzunehmen u recht viel zu gebrauchen! –
Nun aber genug – Ihr [sic] Zeit ist kostbar. All’ den Ihren viele Grüße; ebenso Frl. Leser u Jungé nebst Dank für deren lieben Brief u wie sehr ich mich freue daß sie bald kommen! –
Immer in treuster Liebe
Ihre
Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 149ff.
 



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