19.12.2019

Briefe



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ID: 11898 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 06.09.1885
 

Ober Salzberg d. 6ten Sept 85.
Verehrtester Herr,
wie sehr danke ich Ihnen für Ihre werthvollen Zeilen, für das Interresse [sic], das Sie meinem Unternehmen zuwenden und die Sorgfalt, mit welcher Sie den Ihnen gesandten Brief durchgegangen haben. Ihr so freundliches Anerbieten mir auch weiter bei der Arbeit zu helfen, nehme ich mit größtem Danke an. Es handelt sich dabei vorzüglich um einige Briefe an Jugendfreunde, in denen manches vorkommt, wo mir der Rath und die Hülfe eines Gelehrten unschätzbar sind. – Die Briefe an die Mutter, die den Hauptbestandtheil des Buches ausmachen, sowie die Auszüge a. Briefen an mich enthalten keine Schwierigkeiten, wie die oben genannten.
Das Ganze so würdig wie möglich herauszugeben ist mir Herzensangelegenheit und gewiß können Sie, verehrter Herr, nicht pedantischer sein als ich es zu sein wünsche, aber mit Schrecken sah ich wie viele Fehler sich doch einschleichen.
Die Briefe sind mehrmals dictirt und copirt worden, und behielt ich mir die Vergleichung mit dem Original auf die Correcturen vor, sehe indeß jetzt daß es besser ist vor dem Druck die Abschriften einer genauen Revision zu unterziehen.
Ich habe gleich an Härtels geschrieben, daß sie mit dem Druck einhalten und mir die Abschriften zur genauen Durchsicht schicken, und werde mir erlauben von Ihrer gütigen Hülfe bei etwaigen Zweifeln nochmals Gebrauch zu machen. –
Heute sende ich Ihnen den einen Brief, den ich neu schreiben u. die fehlenden Stellen einschalten ließ. – Ich bitte Sie freundlichst die wenigen noch fehlenden Namen, die wir aus Unkenntniß der Persönlichkeiten nicht entziffern können einzufügen. Die Worte, welche ich auf S. 1. eingeklammert [ ] scheinen mir noch anders zu heißen, doch wie, ist mir unmöglich heraus zu studiren. Die ausgelassene schöne Stelle weiter unten kommt noch einmal in einem Briefe a. d. Mutter vor u zwar da als Citat Jean Paul’s, wo sie uns im Wortlaut noch besser gefiel, darum hatte ich sie in diesem Briefe weggelassen. – – Am Schluß des Briefes befinden sich noch zwei Worte, die ich nicht entziffern kann. „Ich will bei Dir wohnen.“ – die zwei Worte sind wohl lateinische? – – Sehr überrascht waren [wir] durch das Wort mutorum! Ueber diesen Satz hatten wir und Freunde schon viel überlegt ohne eine befriedigende Lösung zu erzielen. – –
Da mein Mann in der Schreibart sich nicht gleich geblieben ist, einmal Phantasie, dann wieder Fantasie schreibt, ferner das i im ei, nur in den frühsten Briefen mit y schrieb, beschlossen wir eine Schreibweise durch das Ganze festzuhalten. –
Noch möchte ich Ihnen mein kleines Vorwort beilegen, und bitte Sie es anzusehen u. mir Ihr [sic] Meinung darüber zu sagen.
Jedes ergänzende oder verbessernde Wort wird mir sehr willkommen sein. Sie werden wohl herausfühlen, daß ich mich hier auf einen Boden gewagt habe, auf dem ich mich nicht so heimisch fühle wie auf den „Podiums“! – doch sprach vieles dafür, daß ich die Arbeit selbst unternahm und das Buch unter meinem Namen erscheinen ließ. –
Ihrer lieben Frau möchte ich noch besonders danken, daß auch sie sich so lebhaft für die Sache interressirt [sic]. –
Mit freundlichsten Grüßen an Sie Beide und mit der Bitte zu entschuldigen, daß ich wegen Schmerzen im Arm nicht eigenhändig schrieb zeichne ich mich in größter Hochachtung Ihre ergebene
Clara Schumann.

Das inliegende Couvert enthält die Adresse meines Schwiegersohnes, bei welchem wir noch einige Tage zubringen. –

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Obersalzberg
  Empfänger: Wendt, Gustav (14830)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 14
Briefwechsel Clara Schumanns mit Mathilde Wendt und Malwine Jungius sowie Gustav Wendt / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2011
ISBN: 978-3-86846-025-4
365-368
 



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