Frankfurt a/M d. 3 Juni 1887.
Liebe Frau v. Beckerath,
nur das Wichtigste konnte mich verhindern Ihnen, längst schon, zu schreiben! wie viel habe ich Ihrer gedacht, wie gern hätte ich Ihnen meine Theilname an Allem einmal ausgesprochen, aber wir hatten selbst, und haben sie noch, eine schwere Zeit! ich kam von England wahrhaft erfrischt zurück, und gleich kam das Geschick hart über uns herein, erst mit dem schweren Verlust von Elisens einzigem Töchterchen, ein liebliches, sehr begabtes Kind, dann die große Sorge um meinen Sohn, dessen ganze Häuslichkeit verändert werden mußte, weil er f. s. Gesundheit für ein Jahr in besseres Clima soll, und die Knaben, (fünf), die Aeltesten wenigstens, in gute männliche Hand kommen mußten. Mein Sohn ist so elend, daß er Nichts veranlassen kann, keine Thatkraft hat, wozu noch vieles eheliche Unglück kommt, kurz, wir haben Alles i. d. Hand nehmen müssen, und mit Energie müssen wir jetzt durch. All unser Denken ist jetzt davon eingenommen, täglich wird Stundenlang correspondirt, dabei giebt es noch immer Kämpfe aller Art, kurz, es ist recht schwer, und muß ich deshalb besonders die Nachsicht der Freunde in Anspruch nehmen. Dank nun vor allem für Ihren lieben Brief. Sie Armen Beide, was haben Sie all die Zeit durchgemacht, wie innig beklagte ich dies, und wie froh bin ich, daß doch jetzt es wieder freundlicher bei Ihnen aussieht, und hoffentlich die Cur Ihnen gut anschlägt. Ich adress. nach Rüdesheim, es ist wohl das Sicherste. Mit vielen herzlichsten Grüßen bin ich Ihnen Beiden treu ergebene
Ihre
Clara Schumann.
Die Kinder grüßen sehr.
[Umschlag]
Frau
Laura v. Beckerath.
p Adr Frl. Emma Deus
a/Rh
Düsseldorf.
Abgereist nach Düsseldorf [zwei unleserliche Worte, vermutlich Unterschrift]
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